Wallhausen

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Unmittelbar an der B 80 gelegen befindet sich der Ort Wallhausen im ehemaligen Helme-Überschwemmungsgebiet der Goldenen Aue am Südrand des Harzes, westlich von Sangerhausen.

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Wallhausen im Jahr 908 als Walahusun, auch Walahuson, Walahusen = Haus des Wala. Hier heirateten 909 Heinrich und Mathilde, das spätere deutsche Königspaar und 912 wurde hier ihr Sohn Otto geboren, der später „der Große“ genannt wird. Über 40 Kaiserurkunden wurden in der Pfalz Wallhausen ausgestellt; von dieser königlichen und kaiserlichen Pfalz ist heute in dem Straßendorf nichts mehr zu sehen. 1030 erhält der Ort offiziell das Stadtrecht, um danach Bier brauen zu dürfen, Märkte abzuhalten und eine Stadtmauer errichten zu können. 1115 wird die Pfalz Wallhausen durch Herzog Lothar von Supplinburg nach der Schlacht am Welfesholz zerstört und von ihm als Kaiser Lothar III. 1125 der Wiederaufbau befohlen, jedoch erst um 1150 realisiert. Das damit älteste Gebäude Wallhausens, das heutige Schloß wurde ab 1948 als Schule – später Sekundarschule bis 2004 – genutzt.

Um 1420 kaufen die Asseburger den Ort Wallhausen. Am 01.05.1525 predigt Martin Luther in der Ortskirche gegen Thomas Müntzer: „Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ (Matth.7.15)

1540 wird der Schieferhof errichtet, es ist das älteste noch vorhandene Wohngebäude im Ort. Im Jahre 1626 brach die Pest aus und bis 1681 fielen dieser Krankheit 1114 Personen zum Opfer, 1726 weitere 500 Menschen.

In Wallhausen gehört die Stadtmauer zur Geschichte und Kultur. Sie wurde 1655 erstmals erwähnt. Jedem Autofahrer, der sich auf der B 80 durch den Ort bewegt, wird das historische Gemäuer „vorgeführt“. Der Ort schottet sich auf der einen Fahrbahnseite regelrecht gegen den Autolärm ab. Früher sorgte ein Graben an dieser Stelle für zusätzlichen Schutz vor Feinden und Angreifern. Heute zieht sich ein ununterbrochener Verkehrsfluß an dieser Stelle durch den „Flecken“. Allerdings liegt die Straße ein gutes Stück erhöht, so dass die Stadtmauer nicht mehr allzu bedrohlich wirkt. Im späten Mittelalter muß das Befestigungswerk gut 2,5 Meter hoch gewesen sein.

Als geschichtliche Originalität ist die Einführung der Schildzeichen durch den Amtmann Amhoff zu erwähnen, der alle 165 vorhandenen Häuser mit einem besonderen Namen versieht. Dieses Register heißt: „ Register, wie das Fleck Walhausen in Anno 1670 nach der Ordnung bewohnet, nach dem Schildzeichen eingetheilet.“ Letztmalig wurden 1958 zur 1050-Jahrfeier diese Schildzeichen angebracht.

In späteren Jahren war der Ort Garnisionsstadt, verlor 1831 das Stadtrecht und wurde Landgemeinde, weil es die preußische Städteordnung nicht annahm. Mitte des 19. Jahrhunderts dominiert noch der Weinbau, danach erlangen die Kirschen immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 1866 wird die Zuckerfabrik in Wallhausen gebaut und der Ort erhält einen Bahnhof, der an der Strecke Halle – Kassel liegt.

Durch Erlaß des Königlichen Landrates gründete man 1886 die Pflichtfeuerwehr in Wallhausen, welche 1934 in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt wurde. Der bekannteste Einwohner war Max Trippenbach, seit 1896 Pfarrer im Ort, ein berühmter Heimatforscher.

Die Zuckerfabrik Wallhausen stellte 1912 ihre Produktion ein und aus der Fabrik wurde ein Steingutwerk, die heutige WSA, der größte Arbeitgeber im Ort.

Am 22. Februar 1945 wurde Wallhausen durch anglo-amerikanische Bomber sinnlos zerstört. Viele Häuser und die Kirche lagen in Schutt und Asche, 62 Tote waren zu beklagen. Nach dem II. Weltkrieg begann der Wiederaufbau und 1957 erfolgt die Einweihung der neugebauten Kirche. Am 01.04.1973 schlossen sich die politischen Gemeinden Wallhausen und Hohlstedt zur Gemeinde Wallhausen zusammen, damit erhöhte sich die Katasterfläche auf 22,6 km².

1986 wurde im Ort der altherkömmliche Wallhäuser Kram-Markt wieder eingeführt. Seither findet dieser jährlich statt, eine touristische Attraktion in der Gemeinde.

Nach der Wiedervereinigung 1990 haben in Wallhausen viele kleine Unternehmen den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Durch aktive Vereine wird das kulturelle und sportliche Leben im Ort geprägt. Der größte Arbeitgeber im Ort ist der Wallhäuser Pilzhof.

Wallhausen war Hauptort der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft „Helme“ und gehört seit 01.01.2004 zur Verwaltungsgemeinschaft „Goldene Aue“ mit dem Sitz in Kelbra (Kyffhäuser), wie auch alle anderen Orte der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft.

 

Seit 01.07.2009 hat die Gemeinde Wallhausen zwei weitere Ortsteile. So wurden im Zuge der Gebietsreform im Land Sachsen-Anhalt die Gemeinde Martinsrieth und Riethnordhausen in die Gemeinde Wallhausen eingemeindet.



Ortsteil Riethnordhausen

Urkundlich wird der Ort erstmals in Jahre 1214 als Rythnordhusun = die nördlichsten Häuser im Riethe (auch: Riede); die im Riethe gelegenen nördlichen Häuser des Nabelgaues. Er liegt zum größten Teil im ehemligen Überschwemmungsgebiet der Helme. 1495 wird der Ort Pfarrkirchdorf und von 1512 bis 1524 die Kirche erbaut.

 

Das Amt Röblingen übernimmt 1560 die Gemeinde. Bei einem Großfeuer 1632 brannte der Ort „gänzlich", nur die Kirche und wenige Häuser wurden verschont. 1657 begann der Wiederaufbau von 33 Gebäuden. Im Jahr 1796 erhält Riethnordhausen eine neue Schule. 1877 eine weitere. 1825 geht die Gemeinde an Preußen. Bekanntester Einwohner war Dr. Friedrich Hermann Wölfert. Er wurde am 17.11.1850 in der Dorfschenke geboren. Berühmt wurde er durch einen Aufstieg mit dem durch Ottomotor angetriebenen Luftschiff am 10.08.1888. Bei Heimatforschern bekannt ist Friedrich Schmidt, der 1882 - 1890 als zweiter Lehrer in Riethnordhausen unterrichtete. 1884 gründete man einen Löschzug als Pflichtfeuerwehr mit einer Stärke von 21 Mann. Diese Pflichtfeuerwehr wurde, wie alle Wehren im Landkreis, 1934 in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt. Im Laufe des Jahres 1891 errichtete die Naumburger Firma Becker und Schulze eine schmalspurige Eisenbahn von der Südgrenze der Gemarkung zur künftigen Förderung der bei Borxleben zu grabenden Kohle und der bei Udersleben geförderten Kupfererze. Von einem Helmehochwasser wurde der Ort im Januar 1915 heimgesucht und die Aue glich einem See.

 

Zur 400 - Jahrfeier der Ortskirche im Jahre 1929 gab man eine Festbroschüre heraus, die in anschaulicher Weise die Entwicklung der Kirchengemeinde darstellte. Wie in allen Gemeinden der heutigen Verwaltungsgemeinschaft und zukünftigen Verbandsgemeinde wurde auch in Riethnordhausen im Jahre 1945 die Bodenreform durchgeführt und aus den enteigneten Wirtschaften wurden Neubauernwirtschaften. Der Charakter des heutigen Ortes wird geprägt von der Landwirtschaft und kleineren Industrie- und Handwerksbetrieben.


Ortsteil Hohlstedt
Hohlstedt liegt direkt an der Bundesstraße 80, westlich von Wallhausen. Seit April 1973 ist Hohlstedt Ortsteil von Wallhausen.

Der Ort wird urkundlich erstmals 957 als Haholtestat = Wohnstätte des Haholt, Stätte der Salzquelle, heimliche Stätte, genannt. Die in Hohlstedt befindliche Kirche mit Namen „Sankt Andreas“ stammt aus dem 12. Jahrhundert. Im Jahr 1518 wird dem Ort von Kaiser Maximilian die Brauberechtigung verliehen.

An der Schlacht von Frankenhausen im April/Mai 1525 waren auch Hohlstedter Einwohner beteiligt. Auch die Pest hatte diesen Ort eingeholt. so waren 1585- 21 Tote, 1598- 71 Tote; 1611- 133 Tote und 1626- 67 Tote zu beklagen. Im 30jährigen Krieg von 1618 – 1848 wurden von 40 Häusern 34 zerstört.

Der bekannteste Einwohner von Hohlstedt war Johann Gottfried Wilhelm Gangloff, bekannt als der „Harzer Wildschütz“, „der Schrecken des Harzes“ und wurde 1794 hier geboren. 1888 gründete man im Ort die Pflichtfeuerwehr; die heutige Freiwillige Feuerwehr. Um 1910 wurde die Villa Bößenroth erbaut. Sie war das Hochzeitsgeschenk des Amtmannes Rödger an seine Nichte, die den Rittmeister Kurt Bößenroth heiratete. Heute ist die Villa ein modern ausgebautes Pflege- und Altenheim, das Seniorenzentrum „Goldene Aue“ des DRK.

Für die Gefallenen des I. Weltkrieges entstand 1921 auf dem heutigen Friedhof ein Kriegerdenkmal, die Rückseite wurde 1997 erweitert mit den Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges.

Der Bau der Siedlungshäuser in Hohlstedt begann 1927 und der Ort wurde größer. Kinder aus dem Saarland pflanzten 1935 auf der Eselswiese eine Saareiche als Erinnerung, welche heute noch vorhanden ist. Im Dezember 1944 wurde im Ort ein Außenlager des Konzentrationslagers „Mittelbau – Dora“ eingerichtet, welches in der Gemeindegaststätte war und im April 1945 wieder aufgelöst wurde. Ein Großbrand vernichtete in Hohlstedt im Oktober 1950 fünf Gehöfte bis auf die Grundmauern. Der in Aufbaustunden errichtete Kindergarten wurde am 01.07.1966 an die Öffentlichkeit übergeben, jedoch 1992 wieder geschlossen. Auch eine Schule gibt es im Ort nicht mehr. 1993 wurde die Gaststätte zu einem Landhotel umgebaut und Hohlstedt kann somit auf eine gute Gastronomie verweisen. Verschiedene kleine Gewerbebetriebe haben sich nach 1990 angesiedelt und es gibt einige sehr aktive Vereine.

 

 

Ortsteil Martinsrieth

Vom alten Stolbergischen Amte Röblingen lag im Sächsischen Friesenfelde das Dorf Martinsrieth. Es ist in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts durch Flämische Colonisten im Sumpfrieth der helme gegründet und nach dem heiligen Martinius, dem Patron der Dorfkirche, genannt worden. Im Jahr 1180 erfolgte die Ersterwähnung des Ortes „Mertens Riethe" = Riethdorf des heiligen Martin.


Die Helmebrücke am Ortseingang soll schon 1270 erbaut worden sein, die Stadt Sangerhausen hatte die Verpflichtung, diese Brücke zu erhalten (1445). In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaute man die Kirche in Martinsrieth. 1525 nahmen 26 Männer am Bauernkrieg teil und der ort musste deshalb 130 Florin Strafe zahlen. Auch die Pest machte vor der kleinen Gemeinde keinen Halt, denn 1626 starben 40 Menschen, 1681 - 1683 weitere 100; 1691 nochmals 100 und 1726 wiederum 40 Einwohner. Im Jahre  1809 wurde der „Hochlöbliche Trescher Innung" als lustiger Fastnachtsverein gegründet und gab sich ein Gesetz mit 34 Artikeln. Der „Trescher Tag" wurde immer zu Fastnacht durchgeführt. Nach dem Wiener Kongress kommt der Ort im Jahre 1815 an Preußen. Die eingangs erwähnte Brücke weihte man am 31.10.1846, denn „die alte Brücke hat dem Zahn der zeit bald 600 Jahre widerstanden." 1860 wurde wegen der immer wiederkehrenden Überflutungen ein Helme - Regulierungsplan vorgelegt, der erst zwischen 1957 und 1975 realisiert wurde.


Die Gründung der Feuerwehr erfolgte im Jahr 1885 mit einer Stärke von 17 Mann und wurde wie allen Wehren im Landkreis 1934 in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt. Zwischen 1888 und 1950 gab es ca. 300 Mal Hochwasser im Helmetal, der  Schaden betrug ca. 104 Mill. Mark und 15000 ha zählten zum Überschwemmungsgebiet. 1909 erfolgte der Bau eines Schulgebäudes. Die Schule wurde jedoch 1970 wieder geschlossen. Nach der Bodenreform 1945 erhielten 12 Landarbeiter und 20 landarme Bauern Land und am 25.11.1946 trafen neue Umsiedler aus Schlesien in Martinsrieth ein. Sie wurden mit zwei Pferdewagen von Hackpfüffel abgeholt. Bei der Gründung der Sportgemeinschaft „SG Riethordhausen/Martinsrieth" besaß der Verein drei Fußballmannschaften und im Ort befand sich ein Sportplatz. Die Schalmeienkapelle wurde 1984 gegründet, ist sehr aktiv und über die Ländergrenzen bekannt.


1995 wird Martinsrieth der Festplatz an der Helme übergeben und 1996 erfolgte die Weihe eines neuen Sportplatzes gegenüber dem Festplatz. Ein neues Feuerwehrgerätehaus wurde 1997 errichtet und damit der Komplex Sportplatz - Festplatz baulich abgeschlossen. Charakteristisch für den Ort sind die vielen Gänse zu Wasser und zu Lande.


Veranstaltungen

08.04.2017 bis 17.09.2017
Kunstausstellung "Pinsel, Faden und Farbe"
Vom 08.04.2017 bis 17.09. 2017 findet im Schloss Wallhausen, Schloss 1, die Kunstausstellung "Pinsel, Faden und Farbe" statt. Künstler der Burg Giebichenstein stellen Malerei und Textilkunst aus.